Antoni Simnacher-Orgel zu St. Nikolaus in Petschied

Am Sonntag, 3. Juli 2005 – Petschieder Kirchtag – wurde die Orgel in der Petschieder St. Nikolaus Kirche feierlich eingeweiht, nachdem sie in den Wochen zuvor von Grund auf restauriert worden war.
>> Bericht zur Restaurierung der Orgel (PDF – 316 KB)
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Grußworte des Vizepräsidenten des Pfarrgemeinderates Mag. Martin Federspieler anlässlich der Einweihungsfeier:

Wir sind hier – wohl am schönsten Platz in Petschied – in und um ein schmuckes Kirchlein, geweiht dem Hl. Nikolaus, das angeblich auf das 12. Jahrhundert zurückgehen und im Jahr 1513, als vor ca. 500 Jahren neu erbaut wurde.

Gleich wie die Kirche selbst, ist auch die kleine Orgel auf der Empore – wie uns anerkannte Fachleute versichern – ein einzigartiges kulturelles Kleinod, das uns unsere Vorfahren hier in Petschied hinterlassen haben.

Um ausführlicheres zur Entstehungsgeschichte dieser Simnacher- Orgel um die Mitte des 18. Jahrhunderts zu erfahren, lade ich Euch ein, im Lüsner Dorfbuch nachzulesen.

Das letzte Mal war die Orgel im fernen Jahre 1864 einer Reparatur unterzogen worden, wohl spätestens seit der Nachkriegszeit war sie nicht mehr bespielbar. Das Kapitel im Dorfbuch über diese Orgel beschließt der Mitautor Dr. Alois Rastner mit folgenden Worten: „Dadurch, dass der ursprüngliche Pfeifenbestand mit Ausnahme von ganz wenigen Pfeifen noch vorhanden ist, besitzt die Orgel einen außerordentlich hohen Originalitätsgrad und würde rasch eine Renovierung verdienen“.

Es sind nun seit dem Erscheinen des Dorfbuches 1988 noch ein paar Jahr vergangen, und es wären sicher noch mehr geworden – denn die Höhe der veranschlagten Kosten haben uns im Vermögensverwaltungsrat sehr an der Durchführbarkeit zweifeln lassen – wäre da nicht einige derart engagiert an die Sache gangen.

Diesen und allen Unterstützern der Initiative sei nun namens des Vermögensverwaltungsrates und der Pfarrei von Herzen gedankt:  Allen voran unserem Michael, der es als junger und begeisterter Organist aus Petschied nicht mit ansehen konnte und wollte, diese kostbare Orgel weiterhin dem Verfall zu überlassen, er wollte sie ja bespielen.

Ihn unterstütze der damalige Pfarrmesner David Daporta, der Kontakt mit dem Orgelfachmann Pater Urban Stillhart vom Stift Muri Gries in Bozen und dem Orgelbauer Oswald Kaufmann aus Deutschnofen aufnahm. Kaufmann unterzog die Orgel einer genauen Untersuchung und erstellte einen detaillierten Bericht über ihren Zustand sowie über die Kosten einer Restaurierung. Pater Urban tat sich um die Finanzierung um, sodass seitens der Pfarrei nur noch die Gesuche zu unterschreiben waren.

Dabei stieß man bei der  Gemeinde mit Brgm. Franz Kaser sowie beim Landesamt für Kultur mit Landesrätin Dr. Kasslatter Mur auf großes Verständnis und Entgegenkommen, ohne die großzügige Unterstützung der öffentlichen Hand wäre es sicher nicht möglich gewesen, dieses für Petschied und für Lüsen so wertvolle Kulturgut wieder in Stand zu setzen: mit Beitragszusagen von 15.000 Euro der Gemeinde und 17.000 Euro des Landes war der Großteil der veranschlagten 33.480 Euro abgedeckt, sodass der Auftrag für die Arbeiten erteilt werden konnte. Oswald Kaufmann ging nun mit seinen Mitarbeitern an die Arbeit, unter ihnen sein Vater Josef, der ihn mit seiner Frau Imma und seiner Tocher heute hier vertritt, da er leider wegen einer unaufschiebbaren Termins verhindert ist.

Den Verlauf der Arbeiten hat Oswald in einem interessanten Bildbericht dokumentiert, der hier herunter geladen werden kann. Die Orgel wurde abmontiert und in der Werkstatt in allen tausenden Einzelteilen zerlegt, gereinigt, repariert und soweit nötig erneuert. Zusätzlich wurde die Orgel auch mit einem elektrischen Gebläse versehen. Abgerundet wurden die Arbeiten mit dem Elektroanschluss und der Erneuerung der gesamten Elektroinstallation der Kirche durch die Fa. Elektro Federspieler sowie durch die gekonnte Arbeit des Malermeisters Christian Oberhauser, der sowohl den Anstrich der Orgel überholte als auch den Innenwände der Kirche neu anstrich. Diese zusätzlichen Kosten sind bisher nur zum Teil durch Spenden gedeckt, ich bin aber sicher, dass angesichts des gelungenen Gesamtergebnisses die eine oder andere Spende oder auch Gedächtnisspende guten Gewissens diesem Zweck gewidmet werden kann.

Allen bisher genannten, die ich – soweit sie hier sind – herzlich willkommen heiße,  und allen Spendern gebührt unser Dank und unsere Anerkennung. Ein herzlicher Gruß sei auch an Generalvikar i.R. Dr. Josef Michaeler, gerichtet, der mit Pater Urban Stillhart die heutige Messfeier mit Prozession zelebriert. Namens der Pfarrei sei bei dieser Gelegenheit weiters der Petschieder Mesnerin  Klara Oberhauser und ihrem Mann Hermann für ihren fleißigen und aufopferungsvollen Dienst gedankt. Sie scheuen keine Mühe, auch nicht hohe Leitern, um das Kirchlein Innen und Außen in Glanz zu halten. Ein bemerkenswertes Beispiel für uneigennützigen Einsatz für die Gemeinschaft hat Josef Kaser (Folla Sepp) gegeben, der wiederum ein neues, sehr schönes von ihm handgefertigtes Trog gestiftet und in den letzten Tagen mit Hilfe des Pekulers unten an der Kirche aufgestellt hat, in welchem das Wasser, das unter der Kirche quellt, aufgefangen wird. Gedankt sei auch den Sängern mit der Chorleiterin und Organistin Verena, die abwechselnd mit Michael heute die Orgel erklingen lassen wird.

Vergelt’s Gott!

Wir alle werden heute Zeugen sein, wenn wir die ersten Töne hören, dass die Reparatur der Orgel äußerst gelungen ist. Es wird sicher nicht nur den Petschiedern ein eindruckvolles Erlebnis sein, ihre Orgel nach vielen Jahrzehnten des Schweigens – nun, nachdem sie gesegnet wird – wieder in voller Frische erklingen zu hören.

 

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